angell schulstiftung freiburg

„Den Kindern die Augen für die Welt zu öffnen, ist unser Wunsch
– sie für das Leben stark zu machen unsere Aufgabe.“

Maria Montessori

Joe Bausch las vor ausverkauftem Haus

Rombach veranstaltete zum dritten Mal Lesung in Kooperation mit der Stiftung

Joe Bausch, der vielen vor allem als Rechtsmediziner Dr. Joseph Roth aus dem Kölner Tatort bekannt ist, arbeitete über 30 Jahre als Arzt in der Vollzugsanstalt Werl. Dort erlebte er Begegnungen, die unter die Haut gehen. In seinem neuen Buch „Gangsterblues“, das zwischen Fakten und Fiktion changiert, erzählt er einige Geschichten aus dem Gefängnisalltag.

Am 7. Dezember 2018 begrüßte Herr Kautz (Buchhandlung Rombach) in der ausverkauften Aula des Montessori Zentrum ANGELL den Autor. Dieser berichtete zunächst davon, was ihn zum Schreiben seines Buches angeregt hat: „Sagen Sie, Herr Bausch, haben Sie auch mal einen netten Insassen?“ Diese Frage, so der Autor, stellen ihm immer wieder Journalisten. Selbstverständlich sind die Insassen in der JVA Werl, wo Bausch bis November dieses Jahres arbeitete, nicht „nett“. Dort sitzen 140 Mörder und zahlreiche andere Schwerverbrecher ihre Haftstrafe ab. Doch die Frage zielt auf das zuweilen recht enge Verhältnis ab, das ein Arzt als Vertrauensperson zu seinen Patienten, gerade auch im Gefängnis, besitzt. Und Joe Bausch erlebte es oft, dass sich Insassen ihm anvertrauen.

So erzählt Joe Bausch beispielsweise die Geschichte von Markus Lesser, der bei einem Schützenfest angeblich eine junge Frau brutal ermordet. Er gesteht die Tat, widerruft sie, gesteht sie wieder. Schließlich wird er verurteilt, obwohl die Beweise sehr dürftig sind. Bausch hat sich mit diesem Fall sehr intensiv beschäftigt und wirft anhand dessen auch einen kritischen Blick auf den Erfolg von Wiederaufnahmeanträgen bei der Justiz.

Gewalt gibt es aber auch innerhalb des Gefängnisses selbst. Davon handelte die nächste Geschichte, in der ein Häftling, der seine Kollegen terrorisiert, schließlich selbst zum Opfer wird. Im Fitnessraum verletzt ihn ein Mitinsasse mit einer Hantel so schwer, dass Bausch nur mit aller größter Mühe und viel Glück sein Leben retten kann.

Neben solch ernsten Erlebnissen gibt Bausch zum Schluss aber auch eine sehr kurios Geschichte zum Besten, die eher der Fiktion als der Realität entstammen mag. Aus heiterem Himmel wird ein Insasse zum Erben von Immobilien im Wert vieler Millionen Euro. Er besorgt sich eine ganze Armada von Anwälten, die seine Entlassung sehr beschleunigen. Bei seinem „Auszug“ aus der JVA steht dann ein Ferrari Testarossa vor der Tür, in dem er triumphierend davonrauscht. Spätestens jetzt lachte jeder Zuhörer in der ausverkauften Aula, und Joe Bausch erhielt für seine facettenreichen Einblicke in den Gefängnisalltag tosenden Applaus.

Annette Schubert aus dem Vorstand der Stiftung bedankte sich im Anschluss bei allen Beteiligten dieses besonderen Abends. Außerdem lud sie das Publikum zu einem anschließenden Empfang mit einem kostenfreien Teller Linseneintopf ein, was gerne angenommen wurde. Der Erlös aus dem Getränkeverkauf kam dem Stiftungsprojekt „Musik macht stark!“ zugute. Untermalt mit Live-Musik von Friedrich Klute und Wolfgang Gottwalt klang ein rundherum interessanter und unterhaltsamer Abend aus.

Die Stiftung bedankt sich sehr herzlich bei der Buchhandlung Rombach. Den Empfang unterstützten: unser Sponsor, die Sparkasse Freiburg-Nördlicher Breisgau, sowie die Winzergenossenschaft Wolfenweiler, die Metzgerei Lehmann und die Bäckerei Pfeifle. Vielen Dank!

Ein besonderer Dank gilt auch Sebastian Düsenberg für die Fotos des Abends.