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Stipendiatin Maryna erzählte in der Politikstunde von Ihrer Flucht aus der Ukraine

Im Rahmen der Politikstunde am 11. März hatten die Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit einen ganz besonderen Vortrag zu hören. Maryna Havryliuk, 17 Jahre alt und seit vier Jahren mit einem Stipendium der ANGELL Schulstiftung an unserer Schule, erzählte ihre persönliche Fluchtgeschichte aus der Ukraine. Ihre Mitschülerin Joana aus der 11d war tief bewegt und berichtet:

Maryna hat heute von ihrer Flucht aus der Ukraine von vor vier Jahren, auf Grund des russischen Angriffskriegs, erzählt. Dabei hat sie uns noch einmal mit auf ihre Reise genommen und sehr nahbar von ihren Erlebnissen und Begegnungen erzählt. Zuletzt beantwortete sie auch noch offen und selbstbewusst alle unsere Fragen. Ich fand es ein sehr authentischen und unfassbar wichtigen Bericht. Ich bin sehr dankbar, dass Maryna diesen Mut und die Kraft für uns aufgebracht hat. Natürlich auch anHerr Walter für die Organisation und Einordnung."

  Hier ist Marynas Geschichte in ihren eigenen Worten:

Ich heiße Maryna Havryliuk, bin 17 Jahre alt und komme aus der Ukraine, aus Odessa, einer großen Hafenstadt. Vor vier Jahren bin ich mit meiner Mutter nach Deutschland geflüchtet. Hier erzähle ich meine Geschichte der Flucht. Leid kann man nicht mit Leid vergleichen: Manche Menschen haben Schlimmeres erlebt, andere weniger. Hier ist meine Erfahrung.

Am 24. Februar 2022 wurden alle Großstädte in der Ukraine von Russland angegriffen. Ich bin davon aufgewacht, dass meine Mutter zu mir gesagt hat: ‚Sie sind über die Grenze gekommen.‘ Da meine Eltern politisch interessiert sind, habe ich verstanden, was sie gemeint hat. Sie hatten mich schon ein paar Monate zuvor darauf vorbereitet, dass es vielleicht eine Art Angriff geben könnte. Dennoch haben wir nicht erwartet, dass ein richtiger Krieg ausbrechen würde (wir leben ja im 21. Jahrhundert).

In der ersten Wochen herrschte sowohl in unserer Familie als auch in der ganzen Stadt große Verunsicherung. Niemand konnte sagen, wie es weitergehen würde. Nach einer Woche hat sich meine Mutter entschieden, nach Moldau zu fliehen (ein Land zwischen Rumänien und der Ukraine). Ich habe mich dagegen gewehrt, weil ich meine Familie, mein Land und mein Leben nicht verlassen wollte. Aber meine Mutter hat sich im Endeffekt dafür entschieden zu flüchten.

Mein Vater hat uns bis zur Grenze gefahren. Männer zwischen 18 und 60 Jahren dürfen das Land nicht verlassen, deshalb konnte er nicht mit uns mitkommen. Wir standen mehr als 14 Stunden an der Grenze. Dort waren ungefähr tausend Menschen, die dicht auf dem Weg zur Grenze standen, weil alle so schnell wie möglich rauswollten. Die Stimmung war sehr panisch, weil niemand wusste, was passieren würde und viele sehr ermüdet waren. Einmal musste ich auf die Toilette und habe mich kurz von meiner Mutter entfernt. Als ich zurückkam, konnte ich sie in der Menschenmenge kaum noch finden. Als wir schließlich nahe an die Grenzkontrolle gekommen sind, fing einer der Kontrolleure an zu schreien. Er sagte, wir sollten uns beruhigen, es sei für sie auch nicht einfach, den ganzen Tag jeden Pass stempeln zu müssen, und wir würden das schon irgendwie schaffen.

Um zwei Uhr nachts wurden wir dann mit staatlichen Bussen abgeholt und nach Chișinău, der Hauptstadt, gebracht. Von dort aus wurden viele Menschen auf Lager verteilt. Wir hatten Glück und wurden von einer sehr netten Familie aufgenommen. Nach drei Wochen, als wir gesehen haben, dass es nicht so aussah, als würde der Krieg bald enden, haben wir überlegt, nach Deutschland weiterzuflüchten.

Es war eine sehr schwierige Entscheidung, weil man damit sein ganzes Leben grundlegend verändert. Zwei Wochen später sind wir nach München gefahren und haben dort in einem Lager für Flüchtlinge übernachtet. Danach wurden wir nach Freiburg gebracht. Der einzige Grund, warum wir in Freiburg gelandet sind, war, dass meine Tante zwei Wochen vor uns hierhergekommen war. Hier waren wir eine Woche in der LEO (Landeserstaufnahmeeinrichtung) und wurden anschließend einer Familie zugeteilt, die bereit war, uns aufzunehmen. So hat ‚das neue Leben‘ angefangen.

    Krieg trennt Familien und teilt das Leben in ein ‚Davor‘ und ein ‚Danach‘. Manchmal erkennt man sich selbst nicht mehr als die Person, die man einmal war. Wir sollten alles Mögliche tun, damit niemand gezwungen ist, seine Heimat zu verlassen und zu fliehen.“

Marynas Vortrag machte allen Anwesenden deutlich, wie wertvoll die Unterstützung ist, die wir als Stiftung jungen Menschen wie ihr bieten können. Seit vier Jahren fördern wir Maryna – zunächst mit einem Vollstipendium, seit einem guten Jahr mit einem Teilstipendium. Doch solche Stipendien sind nur dank der Großzügigkeit unserer Spenderinnen und Spender möglich. Leider nimmt die Spendenbereitschaft ab, und wir sind dringend auf weitere Unterstützung angewiesen. Wenn auch Sie helfen möchten, jungen Menschen wie Maryna eine Perspektive zu geben, freuen wir uns über Ihre Spende unter:

👉 Zur Spendenplattform der ANGELL Schulstiftung

 

 

 

 

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